Seegras für Sea-Ranger
Der Ostsee geht es schlecht, die Bestände von Hering und Dorsch sind kollabiert und damit schwindet auch die Lebensgrundlage der Küstenfischer. Es steht zu befürchten, dass es bald überhaupt keine Fischer mehr geben wird. Um diese Entwicklung zu stoppen, wurde 2023 in Wismar (MeckPom) eine Weiterbildung für Küstenfischer zu Sea-Rangern ins Leben gerufen. Ziel ist, ihre Einnahmequellen zu erweitern, indem sie Wasserproben nehmen, Touristen mit auf See nehmen und schonende Fischereipraktiken entwickeln. Eine zusätzliche Quelle könnte Seegras sein.
Die Ernte von Seegras am Strand ist ohne Genehmigung erlaubt, Seegraswiesen unter Wasser zu mähen, hingegen streng verboten (macht auch keinen Sinn). Doch es gibt noch einen dritten Zustand, der bisher übersehen wurde. Wenn nämlich die Seegraswiesen im Spätsommer ablauben und die Blätter aufschwimmen, bilden sich an der Wasseroberfläche vielfach „Placken“ wie treibende Inseln. Wenn Fischer diese abfischen, das Seegras anlanden und im Hafen mit Süßwasser spülen würden, hätten sie einen sehr hochwertigen Rohstoff, der mittlerweile heiß begehrt ist und gute Preise erzielt.
Nach Aussage des schleswig-holsteinischen Umweltministeriums wäre eine solche Praxis nicht verboten, sollte aber bezüglich ökologischer Auswirkungen erforscht werden, wobei man Unterstützung für derlei Projekte in Aussicht stellt.
Es geht dabei um folgendes: Meerestiere suchen gern Schutz, vor allem kleinere Fische, bevor sie groß genug sind, um im Freiwasser zu leben. Es könnte nun sein, dass vor allem Fische, in flacheren Gebieten auch Krebse von unten an die Seegrasplacken heranschwimmen, womit sich ein Biotop entwickeln würde. Die Entnahme müsste also sicherstellen, dass die Tiere entkommen können. Dies wäre meiner Ansicht nach nicht so schwierig, weil das Seegras entweder mit großen Maschen oder Greifern entnommen werden könnte.
Umgekehrt zeigt sich jedoch ein großer Vorteil: Diese Seegrasplacken welken nämlich an der Oberfläche und sinken schließlich zu Boden, wo sie mit Hilfe von Sauerstoff wieder abgebaut werden. Durch diese Zehrung verbreiten sich jedoch die – etwas theatralisch bezeichneten – „Todeszonen“, also sauerstoffarme bis – freie Gebiete, was z.B. für Dorschlaich extrem ungünstig ist. Würden diese Seegrasplacken also abgefischt, könnte auch die O2-Zehrung am Boden reduziert werden.
Zumindest von der Idee her böte das Abfischen von Seegrasplacken also mehrere Vorteile, aber kaum bis keine Nachteile.
Seit 2024 stehe ich mit den Sea-Rangern in Verbindung. Aktuell geht es um die Erprobung geeigneter Techniken – denn einfach abfischen, könnte nach hinten losgehen, weil ein kleiner Küstenkutter bei einem zu vollen Netz schlicht kentern würde.
Doch bei positiven Ergebnissen sowohl ökologischer als auch fangtechnischer Versuche, würde den Sea-Rangern ein erheblicher Ertrag in Aussicht stehen, weil Seegras, gut aufbereitet, einen höheren Preis erzielt als Fisch.