Unterwasser: Steinriffe, Miesmuschelbänke, Seegraswiesen, Algengärten
Küstenschutz ist Naturschutz ist Nutzung
Wenn wir nicht nur begreifen, sondern auch umsetzen, dass diese Drei zusammen am besten laufen, in der Summe am meisten bringen und am wenigsten kosten, sind wir auf einem guten Weg.
Die „Beweislast“ ist weltweit derart erdrückend, dass man keine Quellen mehr anführen muss – „best possible practise“ überall.
Alle machen Fehler, manches versiegt, aber alles weist voran.
Wenn man nur eine Störquelle abstellen muss, kommt es vor, dass sich die Natur in kurzer Zeit erholt: Indonesische Fischer überzeugte man, anstatt mit Dynamit zu fischen, Touristen zu den Riffen zu fahren. Ein paar Jahre später hatten die Fischer beides, Touris PLUS Fisch – und auch keine Männer mehr mit amputierten Armen.
Eine nicht beeinflussbare Störquelle kann übrigens schon reichen, einen Lebensraum an den Rand zu bringen: Das Great Barrier Reef in Australien (ähnlich groß wie die Ostsee) wird seit Jahrzehnten mustergültig bewirtschaftet und stirbt doch, weil es den Korallen einfach zu heiß geworden ist.
Bei zwei Quellen wird es schon schwieriger und oft langwieriger. So leidet die Ostsee nicht nur unter Überdüngung, sondern auch unter Wärme. Seegras ist durch den „Algenschleier“ im Sommer eh schon gestresst und stirbt ab 26 Grad, man müsste das Wasser klären und kühlen.
Dann hab ich noch ein paar Asse auf der Hand: Munition, Agrargifte, Kunststoffe, Ewigkeitsgifte. Und ein paar Könige: Fischerei, Angler, Badespaß und Segelsport und noch einen Joker: Fehmarnbelttunnel. Im Kartenspiel wäre das ein ziemlich gutes Blatt. Und um hier nicht zu verlieren, müssen wir richtig clever spielen…und das heißt: Einfach denkbare und umsetzbare Ideen, die wirklich was bringen.
Vorschlag zum Verfahren: Die Vorschläge werden mit allen Betroffenen unter der Maßgabe besprochen, bei nur schwachen Gründen dagegen, zuzustimmen. Schwach sind zum Beispiel die meisten Konjunktivgründe.
Ein paar Vorschläge:
Vielerorts ist es verboten, zwischen Offshore-Windanlagen hindurch zu fahren. Wenn diese Seegebiete eh schon gesperrt sind – auch für die Fischerei – dann haben wir dort genau die Schonplätze, die wir dringend brauchen. Und könnten die Erbauer verpflichten, zwischen den Fundamenten für ein Biotop zu sorgen: Seegraswiesen pflanzen, Steinriffe bauen, Algen- und Muschelfarmen ermöglichen. Ein solches Biotop hätte eine vielfache Reinigungskraft, brächte fette Fische hervor, verbesserte das Wasser, wäre ein Pool der Artenvielfalt. Tatsächlich entdeckt man genau dieses Phänomen gerade: Die Natur erholt sich. Helfen wir ihr dabei!
Die Kieler Meeresfarm züchtet Zuckertang (Umami) im Winter an Seilen in Sportboothäfen. Weil die Alge im Winter wächst, kann schon im März, bevor die Boote wiederkommen, geerntet werden. Das ist ähnlich effektiv wie Eiscafés, die im Winter zu Klamottenläden mutieren. Plus: Mit den Pfählen und Pollern sind die nötigen Verankerungen schon gegeben.
Anti-Antifouling: Ich hatte in den letzten Jahren zwei Boote auf der Schlei schwimmen, eines aus Vollholz unbeschichtet, eines aus 200-Liter-Plastikfässern. Das Holzboot bepinselte ich nur mit Leinöl und Holzteer. Also Salatöl plus überall in der Natur vorkommendes Gift. Klar, musste ich einmal im Jahr Pocken kratzen, aber wirklich schlimm war das nicht – minus Antifoulingschuld.
Muschelfarm: Das Kunstoffboot liegt seit fünf Jahren im Noor bei Maasholm auf einem Meter Wassertiefe vor Anker. Und hat sich unter Wasser zu einem wilden Lebensraum entwickelt. Ich wette, Analysen würden ergeben, dass dort das Noor am reichhaltigsten ist, von Flokrebs bis Schwan. Und eigentlich müssten die ältesten Miesmuscheln bald erntereif sein.
Seit rund fünf Jahren werden Seegraswiesen auf der ganzen Welt und auch rund um die Kieler Bucht wieder aufgeforstet. Hat man bisher auf Forschungstaucher gesetzt, die zwar gut aber teuer sind, bildet man jetzt Sporttaucher weiter. Der Zulauf ist enorm, sicher auch, weil es mehr Spaß macht, Teil der Unterwasserwelt zu sein, als nur Zuschauer. So wird das „Försterteam“ binnen kurzer Zeit vervielfacht. In eine neue Richtung weisen Rollrasen mit Samen und Setzlingen, die von einem Schiff aus verbracht werden können und nur eines Tauchers zur Befestigung am Grund bedürfen.
Ebenso könnte man jeden Menschen, der laufen kann, dazu „ausbilden“, Steinriffe zu bauen, denn das ist noch einfacher.
Erste Stufe: Ein Stein am Strand ist ein Stein, ein Stein im Wasser ist ein Biotop – also schmeiß rein.
Zweite Stufe: Bei extremem Niedrigwasser rund um herausragende Fintlinge weitere Steine stapeln.
Dritte Stufe:
Drahtkästen mit Steinen füllen und versenken.
Wenn man das gut macht, also so, dass niemand Nachteile hat, dann lässt es sich von normalen Menschen ohne viel Geld machen. Der Vorschlag, in der Schlei auf 80km Uferline 40 geeignete Plätze auszuloten, liegt auf dem Tisch. Algen würden Sauerstoff produzieren, Muscheln das Wasser wie Klärwerke reinigen , Aal und Hering könnten sich vorm Kormoran verstecken und obenauf bauten wir eine Rastplattform für Kanuten – und Möwen…