Küstenschutz neu gedacht
Der Küstenschutz an der deutschen Ostsee läuft suboptimal.
Die Küstennutzung ist teils verheerend.
Das liegt auch daran, dass die beiden meist getrennt gedacht werden.
Wenn wir sie hingegen zusammen denken, können wir die Situation für alle Beteiligten, Mensch wie Natur, wesentlich verbessern, nur müssen wir uns dafür etwas lockrer machen:
Behörden sollen Gesetze, wenn nichts dagegen spricht, zügig den Bedingungen anpassen, weil der Ordnungsrahmen seine Funktion nur ausfüllen kann, wenn er positiven Wandel zulässt.
Küstenschützer: Bisher wird Küstenschutz meist mit „Bollwerk“ übersetzt und viele Erfolge geben recht. Doch haben Bollwerke einen entscheidenden Nachteil: In der Auseinandersetzung mit einem Gegner, der beständig aufrüstet (steigender Meeresspiegel, härtere Stürme), können sie nur unter großen Kosten mitziehen. Küstenschutz muss daher mitwachsen und zwar mit wenig Aufwand, zum Beispiel im Fall der Seegrasdeiche durch: draufpacken.
Forschung: Wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse sind enorm kostspielig und langwierig. Einfacher ist es, plausible Ideen mit gesundem Menschenverstand zu koppeln und im ewigen Versuch zu verbessern.
Fischer haben recht, wenn sie sagen, dass noch keine Küstenfischerei die Bestände kaputt gemacht hat. Sich deswegen gegen Restriktionen zu wehren, bringt allerdings nichts, wenn der Fisch tatsächlich nicht mehr da ist. Fischer sollten deswegen neue Fangmethoden, Zielarten und auch Einkommensquellen entwickeln – und die Gesellschaft sollte ihnen dabei helfen. Und wieso kommen Fischer eigentlich nicht auf die Idee, dass sie die geeignetsten Meeresschützer sind?
Touristiker sollten aufhören, ihren Gästen zwingend weiße Strände anbieten zu wollen, weil diese „Dienstleistung“ vielfach bescheuert ist. Stattdessen Badekorridore freihalten, aufklären, mit Treibsel das Ufer schützen und im besten Fall „Strandgärtner“ einstellen.
Touristen haben in der Mehrheit erkannt, dass Treibsel zu unserer Küste dazu gehört. Dass es stinkt, ist eine dieser sich selbsterfüllenden Wahrnehmungen, die allermeist nicht zutrifft. Touristen ein sauberes Badeerlebnis zu ermöglichen, gehört mit zu unseren „Pflichten“, ob der Strand dafür flächendeckend geharkt werden muss, ist aber eine andere Frage. Touristen stattdessen zu informieren und aktivieren, z.B: durch Strandführungen (statt ewig langweiliger Infotafeln), ist mehrfach besser.
Insgesamt brauchen wir kein Rad zu erfinden, das schon rollt, weil der Mensch die Küste seit jeher nutzt und schützt – Beispiel Seegrasdeiche.
Auch neue Ansätze auf der ganzen Welt zeigen, was funktioniert. So müssen wir uns z.B. weder in langen Genehmigungsverfahren noch teuren Machbarkeitsstudien verstricken, wenn es um die Frage geht, ob Steinriffe die Wasserqualität verbessern, weil Antwort: Ja.
Immer geht es um Lösungen, die:
– mehrfach gut sind
– möglichst natürlich sind
– einfach und günstig sind
Maßnahmen, die derart konzipiert werden, haben kaum Nachteile, können stattdessen als „gute Art und Weise“ in den Küstenalltag eingehen. Im schlimmsten Fall bringen sie nichts und werden wieder vergessen.
Hier eine Auswahl von Maßnahmen, die Sinn machen und diskutiert werden können:
Einige sind Jahrhunderte alt und werden neu interpretiert,
einige gibt es seit Jahren als Prototyp,
einige sind verboten.
Einige bereichern die Natur,
verbessern unsere Nahrungsgrundlage
und bringen sogar Geld.
Alle schützen die Küste als Lebensraum – auch für uns:
am Strand: Seegrasdeiche
im Spülsaum: Molen und Buhnen, Strand-Stellnetze
Unterwasser: Steinriffe, Miesmuschelbänke, Seegraswiesen, Algengärten
(Bitte klicken Sie auf die Untermenüs)
Vorweg ein paar Anmerkungen:
Diese Vorschläge möchten einen Beitrag zur Diskussion anbieten. Weil ich an Stränden Seegras ernte und mit vielen Küstenakteuren in Verbindung stehe, haben sie meiner Meinung nach Hand und Fuß. Gleichwohl bin ich weder Fischer noch Forscher, nicht Beamter noch Touristiker, und kenne deren Wenns und Abers nicht.
Deswegen liegt vielleicht genau in der Einfachheit ihr Wert, weil: Die Zeit drängt. Denn auch, wenn manches Klimaszenario etwas heißen Wind enthalten mag, eines ist klar: Seit 1872, dem größten je verzeichneten Oststurm bei uns (bis 3,30m über NN), ist der Ostseepegel um 15cm gestiegen. Die vermeintliche „Jahrhundertflut“ im Oktober 2023 hatte max. 2,30cm. Es besteht also die Möglichkeit, dass wir – wenn wir nicht vorsorglich handeln – schon beim nächsten Sturm weggespült werden.
Wenn Sie Lust auf eine Tages-Exkursion haben:
„Küstenschutz mit Seegrasdeichen“
Wanderung an exemplarische Strände in der Umgebung
für Fachgruppen aus der Verwaltung, der Politik und von Verbänden
für Delegationen (auch auf Englisch)
für interessierte private Gruppen
Termin und Kosten nach Absprache